Bericht über unsere deutschen Nachbarn in sAlmonia: Maren und Hans-Peter Oehm, die wir nun erst Januar 2007 kennen gelernt haben. Hans-Peter kommt aus Leverkusen, Maren aus Mannheim. Sie wohnen in dem unübersehbaren Haus über schönen Morro- Badebucht.

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 Ein Inselmärchen LIEBEN-LEBEN-BAUEN    auf Mallorca  Sie kamen verliebt nach Mallorca und verliebten sich unsterblich in Mallorca. Er flog von Köln her, sie von Paris, eigentlich wollten sie nur gemeinsam ein Wochenende ausspannen, „und dann“, so Hans-Peter, „hat es uns wie ein Blitz getroffen“. Die Insel des Lichts schlug den Mittdreißiger und Maren, die junge Studentin, die sich anschickte, am Pariser Eliteinstitut École Camondo ihr Diplom in Innenarchitektur und Design zu machen, in ihren Bann, nachhaltig, wie sich herausstellen sollte.  Lieben Es scheint, als hätten Verliebte besonders offene Poren für Mallorcas Magie: Maren und Hans-Peter jedenfalls waren gepackt. Ein ganzes Jahr lang sollten sie von jetzt an dem Ruf der Insel folgen. Jedes Wochenende waren sie da, wenn es nur irgend ging,  

Text: Günter Ned 

Fotos: Ydo Sol   und ließen sich, wie sie erzählen, in jeden Winkel, in jede Bucht, auf jede Anhöhe ziehen. „Wir wollten die Insel einfach kennen lernen. Wir wollten wissen, was sie noch alles für Geheimnisse für uns hat.“ Und im Hinterkopf war auch schon die Frage: Wo könnten wir hier eventuell wohnen? Zwischen den jungen Leuten hatte es schon vor geraumer Zeit gefunkt. Das war in Paris, zur Zeit der Möbelmesse. Maren schlenderte durch den Salon du Meuble, wie es einer Designstudentin anstand. Dabei kam sie auch an den Ausstellungsstand, den Hans-Peter und sein Partner Peter Brandeis hatten. Sie war von den Produkten spontan fasziniert, fragte, ob es möglich wäre, in der Firma ein Praktikum zu machen, und wie es der Zufall oder das Schicksal oder Hans-Peters Intuition wollten: Die Möglichkeit ergab sich, zwischen den beiden blitzte es, schnell wurden Arbeit und Liebe eins.    

Aus der Kunstsammlung des Bauherrn: Kirchensäule aus Paris.   

Mallorca hat viele Geheimnisse. Eines scheint zu sein, die Insel führt ihre Lieblinge ganz sanft an Orte, die ihnen gut tun. Für Maren und Hans-Peter hatte sie sichtlich ihre Südspitze im Sinn. Dort, unweit von Santanyi, lernte das deutsche Paar einen Mann von der Insel kennen. Ihm gehörte ein uraltes Haus, ohne Strom, ohne Wasser, von Klimaanlage und ähnlichem gar nicht zu reden. Das Haus stand leer, war riesengroß, 265 Quadratmeter, soviel Platz brauchten die beiden im Grunde gar nicht, und trotzdem verhandelte Hans- Peter mit dem Besitzer ein ganzes Jahr lang. Irgendwann trafen sich die Männer gar nicht mehr so sehr wegen dem Haus, sondern weil sie merkten, dass sie gerne miteinander redeten, und schließlich war der Kauf perfekt.  Nun besaß man ein Haus auf Mallorca. Das Wasser kam zwar nicht aus dem Hahn, sondern aus dem Brunnen, das Licht nicht aus der Steckdose, sondern vom Schimmer der Kerzen, aber von so viel Romantik ließen sich Maren und Hans-Peter gern umschmeicheln, und wenn sie auf der Terrasse saßen, enthüllte ihnen Mallorca seine ganze Schönheit. Die Insel bot sich ihnen in unberührter Natürlichkeit dar. Zu danken hatten sie das einer alten Mallorquiner Familie. Sie ließ (und lässt bis heute) hier vor der Steilküste und sozusagen vor der Haustür des jungen Paares ein riesiges Besitztum unbebaut. Die Possession heißt S’Aval und ihre Flora revanchiert sich für den privaten Schutz, indem sie sich als grandioser Naturpark präsentiert. Allein was sich an Baumwuchs vor den frisch gebackenen Inselresidenten ausbreitete – sie überblickten den benachbarten Grundbesitz wie von einem Baumhaus aus – zeigte Mallorca von einer ihrer schönsten Seiten. Die Idylle war malerisch: wilde Olivenbäume, Mandel- und falsche Pfefferbäume, Pinien in Hülle und Fülle, wilde, stark duftende Kräuter, Steineichen, Johannisbrotbäume (die Mallorquiner nennen sie Alagarobos und machen aus den Früchten Palo, einen süßen, würzigen, schwarzbraunen Aperitif). Dann die Küste selbst. Dort lernten die beiden einen Flecken Erde kennen und lieben, der zu den verborgendsten und bezauberndsten Geschenken zählt, die die Insel zu vergeben hat: die kleine Halbinsel zwischen der Cala des Moro und der Cala s’Almonia. Sie sieht aus, als hätte sich hier ein Teil der Steilküste kurzerhand aus dem Kliff herausgebrochen und ein beträchtliches Stück weit ins Meer vorgeschoben. Jetzt steht der Felsen allein in der Brandung. Er schützt eine schmale Ebene, die hinter ihm liegt und die ihn noch mit dem Land verbindet. Sie ist mit Baum- und Buschwerk bewachsen, wie es typisch ist für die Küste. Wo die Ebene endet, zieht sich die Vegetation steil hinauf aufs Klippenplateau. Die See hat um den Felsen herumgegriffen und die beiden Seiten der Ebene zu versteckten Buchten umgeformt. Links unten, vom Kliff aus gesehen, liegt die Cala des Moro, rechts Cala s’Almonia. Letztere ist ein kleiner Fischerhafen mit einigen wenigen ineinandergeschachtelten, ockerfarbenen Häusern. Die betonierte Rampe, über die der Fischer sein Boot (mallorquinisch: seine llaut) zu Wasser lässt, bildet zusammen mit dem natürlichen Felsverlauf ein Hafenbecken, das vor der Brandung gut verborgen ist. Auf der gegenüberliegenden Seite der Halbinsel laufen die Felswände der Cala des Moro (das Kliff und vis-à-vis die steinige Rückseite des vorgeschobenen Felsens) in einem wunderbaren Sandstrand aus – kurz: Mallorca entführte Maren und Hans-Peter mitten in eines seiner kleinen abgeschiedenen Paradiese. Hier sogen sie Mallorcas Zauber in vollen Zügen ein. Sie kamen zum Schwimmen her, je nach Laune gingen sie am Sandstrand der Cala des Moro oder im geschützten Becken der Cala s’Almonia ins Meer. Sie  schauten den Mallorquinern zu, die am Wochenende den Felsen bestiegen, um von da oben ihre Angelruten auszuwerfen. Selbst fuhren sie gern mit der eigenen llaut hinaus (ein alter Fischer aus der nahen Cala Figuera hatte ihnen eine überlassen) und fischten draußen auf See.


Bauen Und es blieb nicht aus, dass sie begannen, die Insel mit professionellem Blick zu sehen. Denn wenn wir das Paar gerade als frisch gebackene Inselresidenten vorstellten, dann war das nicht ganz korrekt. Sie hatten ein Haus auf Mallorca, richtig. Ihr Lebensschwerpunkt aber war immer noch Deutschland. Sie wohnten im Leverkusener Stadtteil Opladen, in einer schick umgebauten alten Schnapsbrennerei. Partner Peter Brandeis hatte dort seine privaten Räume. Ihrer Arbeit gingen die drei auf Gut Mönchhof nach, einem umgebauten alten Bauernhof im gleichen Stadtteil. Für die architektonische Umgestaltung von Heim und Firmensitz hatte das eigene Unternehmen gesorgt. Hans-Peter Oehm und Peter Brandeis gründeten es vor zwölf Jahren. Die Firma beschäftigt sich mit Architektur, Innenarchitektur und Design. Sie arbeitet international, baut heute ein Chalet in der Schweiz oder ein Penthouse am Londoner Hyde Park, morgen einen Schmuckshop in Russland, einen Hemdenshop in Southampton oder in Köln ein supermodernes Hochglanzobjekt aus Glas  und Stahl. Ein Showroom gehört zur Firma, ein Multilabel-Store für Designobjekte, darunter auch die eigenen Produkte, die „Möbse“ zum Beispiel, jene phantasievollen Spielfiguren, von denen Maren in Paris gleich begeistert war. „Möbse“ kommt von „mob design“, so heißt die Firma. Hans-Peter buchstabiert sie so: „Mitmachen oder bereuen“. Maren machte mit, stieg in die Firma ein, übernahm unter anderem den Showroom, bereut hat sie es bis heute nicht. In Richtung Mallorca gab es schon ein Vorzeichen in der Vergangenheit. Peter Brandeis baute vor zehn Jahren ein Haus in der Bucht von Alcudia. Hans-Peter und Maren (inzwischen war sie Frau Oehm geworden) hatte es jetzt voll erwischt. Bei    Der Speisesalon mit Kreuzgewölbe, Muranoleuchter und Rattan-Sesseln.  jeder Gelegenheit pendelten sie hin und her. Die Insel ließ sie nicht los, längst waren aus ihrem ersten Jahr auf Mallorca zwei, drei, vier, viele geworden. Die häufigen Inseltrips wurden auch dann nicht weniger, als Kinder kamen, erst Marie, heute fünf Jahre alt, dann Alice, jetzt drei geworden. Der Nachwuchs fand das Fliegen toll, war begeistert vom Inselleben. Kein Wunder: Den tuckernden Dieselmotor der llaut, mit der die Eltern zum Angeln oder zum Frühstück auf Meer hinaus fuhren, das Schaukeln auf den Wellen kannten sie schon, als sie noch im Bauch ihrer Mutter schwammen. Immer wieder also die traumhafte Halbinsel von Cala s’Almonia und ihre verführerischen Inspirationen. Sie regten die Arbeitsphantasie der beiden Architektur- und Designprofis immer intensiver an. Fragen reizten: Wie würde man auf dieser Insel bauen? Wie Häuser einrichten? Gerade dann, wenn sie ihre beiden Badebuchten besuchten, geizte Mallorca nicht mit malerischen Antworten. Wie Gold glühten die Felsbuchten der Steilküste, staffelten sich in die Ferne, zogen den Blick bis hinaus  Die Residenz auf dem Kliff: Kaminsalon mit Satteldach und Balkendecke.  

 

zur Insel Cabrera. Blau der Himmel, die See, weiß die Gischt. Brandung und Gischt hatten aus den Kliffs in jahrtausendelanger Arbeit pittoreske Skulpturen gemeißelt. Der nackte aufgebrochene Stein sprach, teilte seine Farbschichten mit, Nuancen von Rot bis zum hellsten Ocker. Dazu die alten, verschachtelten, von Mallorquinern gebauten Fischerhäuser. Ihre Dächer waren nach dem Mönch-und-Nonne-Prinzip gedeckt, also mit halbrunden Cotto-Schindeln, die Nonnen lagen unten, die Mönche darüber. Und überall die Bäume, die Steineichen-, Algarobo- und Pinienhaine – es stand schnell fest, mit welchen Materialien hier gearbeitet werden musste: Holz, Ton und Stein, und ein Stoff war umsonst: das unvergleichliche Licht von Mallorca. Dieses Licht hat schon berühmte Maler dazu verführt, hier zu leben, und es sorgt bei allen, auch den einfachen Menschen, dafür, dass sich alles draußen abspielt, im Freien, unter der Sonne, genauer gesagt, in ihrem Schatten, dort, wo man nicht die Hitze hat, aber trotzdem das Licht. Dieses Draußen müsste man, dachten Maren und Hans- Peter, nach innen ziehen, wenn man auf Mallorca baut. Innen und außen müssten eins sein.  Mit solchen Gedanken flogen sie zurück nach Deutschland, mit vielen Ideen kamen sie wieder, und dann machte Mallorca Nägel mit Köpfen. Sie führte eine richtungweisende Begegnung herbei. Hans- Peter und Maren

 Das Schlafzimmer im Turm.  

 

trafen nicht weit von ihrem Lieblingsflecken einen Bauherrn wieder, mit dem die Firma in Deutschland schon mehrere Projekte abgewickelt hatte, immer mit Erfolg. Auch ihn hatte Mallorca an ihre Südspitze gezogen. Jenseits der Cala s’Almonia, Luftlinie zweihundert Meter entfernt, hoch oben auf dem Kliff, baute er gerade an einer Zweitresidenz. Nichts war fertig noch. Gerade mal der Rohbau stand. Da kam Sinn in die Begegnung: Hans-Peter Oehm, Peter Brandeis und Maren sollten das Haus zu dem machen, was es heute ist, ein formidabler Wohnsitz ganz vorne auf der Steilküste von Santanyi, mit drei Kinderzimmern, separatem Gästeappartement, mit dem Elternschlafzimmer oben im Turm und mit einem weitläufigen, offen konzipierten Wohnbereich – alles auf zwei Etagen, ein repräsentatives Urlaubsheim für eine große Familie und ihre Freunde. So wie sich das Haus heute präsentiert zeigt es dreierlei: den ausgeprägten Stilwillen des Bauherren, die Visionen der drei Profis von einer ursprünglichen und zugleich heutigen, genuin mallorquinischmediterranen Innen- und Außenarchitektur und das Feingefühl, mit dem das Team diese beiden Faktoren miteinander zu verschmelzen wusste.     

Modernes Interieur unter der typisch mallorquinischen Bovedilla-Decke (Cassina-Sessel im klassischen LC2-Design von Le Corbusier, Sofa von Frigerio, Sitzsack Sacco).  

Eines der wichtigsten Grundmaterialien war, wie gesagt, klar hier, auf dem Kliff von Santanyi: der Piedra de Santanyi, der Santanyi- Stein. Schon die alten Römer haben ihn abgebaut. Ihre Steinbrüche sind entlang

 

  Der Balkon ist als steinerne Porche gestaltet.  

 

der Küste noch heute zu sehen, am besten vom Meer aus. Man verwendet den recht harten Sandstein in zweierlei Form, als rohen Bruchstein, aber auch glattgeschliffen. Glatt bildet er mit ganz eigener Eleganz massive Säulen, Bögen, Fensterleibungen, Randsteine oder Dachgesimse. Roh ist er auf Mallorca das Fassadenmaterial schlechthin. Einheimische Handwerkskünstler schlagen den Bruchstein auf der Baustelle, wirklich von Hand, in die richtige Passform, fügen ihn dann Stück für Stück zur Fassade zusammen. Die besondere Eleganz, die die Fassade der Residenz auf dem Kliff verlangte, wurde erreicht, indem man den Bruchstein rechteckig zuschlug. Weite Terrassen aus galizischen Steinplatten laufen ums Haus. Sie sind ausnahmslos als porches gestaltet, also mit vorgesetztem Dach, vor dem Kaminsalon zum Beispiel mit einer Holzpergola. Besonders repräsentativ: der Terrassenabschnitt, der am Fernsehzimmer und am Entree entlangläuft. Dieses Vordach ist aus Stein gebaut, spannt sich zwischen Fassadenund Außenbögen auf und trägt zugleich die Dachterrasse. Porches sind ein wichtiger Part, wenn es gilt, das Draußen nach drinnen zu holen. Das Licht kommt herein, aber die Dächer halten die Hitze draußen. Nicht weniger funktional für den gleichen Zweck: Fenster, die als Fenstertüren konzipiert sind. Licht strömt herein, fast vom Plafond bis zum Boden, und den Blick hinaus hält nichts auf: Auch hier oben hat man das grandiose Kliff- und Seepanorama. Innen zeigt sich das Haus betont vom Geschmack des Bauherrn geprägt. Er gab einen schweren, ausgesprochen maskulinen Stil vor – nicht unpassend, wenn man die massiven Felsschichten der Steilküste vor Augen hat. Die Decken werden von kraftvollen Balken aus Holz (afrikanischem Iroko) strukturiert. Darauf liegen die für Mallorca so typischen bovedillas (die ockerfarbenen Einschubsteine, über denen sich das Dach aufbaut). Gleich im Entree wird man mit solchem Plafond empfangen. Auch das Satteldach des Kaminsalons ist von dunklen Balken gehalten, man kann es vom Entree aus, von seiner schweren alten Kassettentür aus Pinienholz schon, sehen. Davor liegt offen der Speisebereich. Er wird durch ein kleines architektonisches Kunstwerk markiert, ein hohes Kreuzgewölbe aus geschliffenem Santanyi-Stein (wieder das Motiv: der Außenstein kommt nach innen). Passend dazu sitzt in der Rückwand ein hohes Fenster, jenen ähnlich, die man in Kathedralen findet. Welcher Boden passt zu solcher Wucht? Angedacht waren Tonfliesen. Aber Hans-Peter, der Materialexperte, fand Cotto zu leicht. Seine Idee überzeugte: Fliesen aus Antik-Marmor. Sie entsprechen, weil sie ihrerseits eine gewisse

  Die Steilküste an Mallorcas Südspitze: Brandung und Gischt haben aus den Kliffs pittoreske Skulpturen gemeißelt.  

 

Schwere ausstrahlen. Der Marmor kommt vom spanischen Festland: Farbe und Muster ergeben sich aus der natürlichen Flammung. Die antike Patina, die Unregelmäßigkeiten an den Kanten und auf der Oberfläche also, erhalten die Fliesen dadurch, dass man sie in einer Maschine mit Kugeln trommelt. An anderer Stelle wieder fängt die Innenarchitektur die Imposanz mit spielerischer Leichtigkeit auf, in den Bädern zum Beispiel. Wieder springt Souveränität im dekorativen Umgang mit dem Material ins Auge. Oehm: „Man muss eine Wand nicht immer bis zur Decke fliesen. Man kann auch bei einer bestimmten Höhe aufhören. Darüber putzt man Fliesen vielleicht noch einzeln in die Wand, schafft kleine Bordüren für die Spiegel.“Die freundliche Farbigkeit, die so entsteht, ist schön im Elternbadezimmer zu sehen.

Eine leuchtend gelbe Wandscheibe mit zwei Waschbecken holt die Sonne nach innen. Neben den Spiegeln zitieren vertikale Linien aus einzeln eingeputzten, tiefblau lackierten Fliesen das Meer herein. Dass es zu seiner ausgeprägt maskulinen Stilvorgabe ein ganz spezielles Gegenstück geben solle, darauf bestand der Bauherr selbst: Für die dekorativen Interieurs sollte eine Frau zuständig sein: Idealer Job für Maren. Doch wie einigt man sich auf die Richtung? Marens Methode: Mit Fotografien, Ausrissen aus Magazinen und Katalogen, kolorierten Skizzen, die sie selbst herstellt, etc. fertigt sie Collagen, modellhafte Farb-, Form- und Stimmungswelten an, variiert sie solange, bis sich die Vorstellungen decken: „Wenn man sich erst mal auf die Farbwelten geeinigt hat und auf die Hauptmaterialien, dann ist es eigentlich ganz einfach.“ Das feine Spiel, das die Innenarchitektin mit den vielen Facetten dieser Welten inszenierte, zeigt ihre Lust auch am kleinsten Detail. Kurzes Beispiel für eine gekonnte Farbabstimmung: die Sitzecke vor dem Kamin. Der tiefe Ohrensessel gibt das Muster vor, Paisley auf Karo, Nuancen von Rot über Blau bis Ocker. Der Kelim nimmt das Farbspiel auf, der Antikmarmor darunter ebenso, auch die Vorhänge der Fenstertüren. Das urbequeme Sofa greift einen Ton prominent heraus, leuchtet fast uni in Goldocker, nur rostrote Punkte machen die Sonnenfarbe zusätzlich lebendig, Ton in Ton dahinter die Wand, der Klosterputz ist im changierenden, ocker-orangen Schimmer des Fassadensteins gewischt. Dann wieder ein Kontrast, den ein Mann gebaut hat: Der Santanyi-Stein selbst ist präsent als Material für die beiden massiven Mauerpfeiler des Kamins (klare, puristische, kraftvolle Linien, Design: Peter Brandeis). Der Abzug ist weiß verputzt. Das Bild darauf, die Steinskulpturen auf dem massiven Kaminbalken, der Kerzenleuchter aus Treibholz und Ton hinter dem Sofa, das alles sind Objekte aus der Kunstsammlung des Hausherrn. Exponate daraus werden überall im Haus gezeigt, mal harmonisch ins Interieur gesetzt, mal spannungsvoll.   Soweit einige Streiflichter über die erste gemeinsame Arbeit unseres Trios auf Mallorca.

Von nun an handelte die Insel Zug um Zug. Weitere Aufträge kamen prompt. Die Philosophie des Teams sprach sich, scheint’s, herum: Man baut nicht von außen nach innen, sondern von innen nach außen. Zuerst kommt der Mensch, der im Haus leben wird, seine individuelle Eigenart. Von ihr aus plant man die Räume, das ganze drumherum. Ein erstes Skribble zeigt die Außenansicht, dann kommt der Plan, schließlich der Preis, und der Preis wird gehalten. Nicht nur Ausländer klopften als Kunden an. Mallorca schickte auch einheimische Bauherrn. Vielleicht hatte sich herumgesprochen, dass „Piedra de Santanyi“ ausschließlich mit mallorquinischen Handwerkern arbeitet, mit topqualifizierten Familienbetrieben, bei denen der Chef noch selbst Hand anlegt. „Piedra de Santanyi“? Richtig gelesen. Irgendwann war es nicht mehr zu umgehen: mob design gründete seine mallorquinische Tochterfirma, und was lag da näher, als sie nach dem Stein zu benennen, der den Häusern ihre inseltypische Schönheit verleiht? Aber Mallorca hatte Maren und Hans-Peter noch nicht ganz gewonnen. Noch pendelten sie hin und her zwischen Alemania und den Balearen. Wie konnte man sie ganz binden? Einen Teil der Arbeit tat die Natur. Die Kinder wuchsen heran. Stellte sich die Frage: „Wo schicken wir die Mädchen in die Schule, hier oder in Deutschland?“ Marie und Alice waren gern auf der Insel, das Schulsystem ist attraktiv, die Kinder gehen, auf freiwilliger Basis, schon ab drei Jahren. Und Mallorca hatte für seine Auserkorenen noch weitere Geheimnisse auf Lager, weniger schöne jetzt.

Liebevoll restauriert: das alte Fischerhäuschen

in der Cala Figuera.

 

Eines lüftete sie, und löste bei Maren und Hans-Peter sofort Alarm aus: Ihr kleines Paradies, die Halbinsel, war bedroht. Ein Agroturismo-Hotel sollte drauf gebaut werden, mit Minigolf und Tennisplatz und Lustschlösschen auf dem Felsen. Diese Ge fahr brachte alles nach vorne. Hans-Peter kam mühelos auf Hochtouren, flog nach England, verhandelte mit den Besitzern, immer wieder, hartnäckig, ein halbes Jahr lang. Dann der Erfolg: Man konnte das Projekt erfolgreich abwenden. Verwöhnt von ihrer Gunst, hatten sich Mallorcas Schützlinge revanchiert. Das kleine Paradies an ihrer Südspitze war vor dem Agroturismo- Trubel gerettet. Die Mallorquiner würden weiterhin vom Felsen ihre Angeln auswerfen können. Niemand würde das Areal abriegeln. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Das traumhafte Inselplätzchen, das Maren, Hans-Peter, Marie und Alice immer besuchten, als sie noch in ihrem Haus am Rand von Sa Vallet das Wasser aus dem Brunnen schöpften und die Kerzen ansteckten, wenn die Sonne sank, bleibt in seiner wilden Schönheit erhalten – fast die ganze Halbinsel, von der Cala des Moro bis dorthin, wo die Fischerhäuschen stehen und die Cala s’Almonia beginnt.

 

Der ins Meer vorgerückte Felsen gehört dazu, dahinter die dicht bewachsene Ebene und die Anhöhe hinauf zum Kliffplateau. Fassen können sie es bis heute nicht recht. Aber sie haben den Wink Mallorcas verstanden und gehandelt: „Piedra de Santanyi“ unterzog bis heute auf der Insel zwei alte Häuser einer einfühlsamen Renovierung, darunter ein verträumtes Fischerhäuschen in der Cala Figuera. Fünf Häuser hat man neu gebaut – und eines davon bewohnen Hans-Peter und Maren selbst. Leicht und luftig sitzt es am Kliff über der Cala des Moro und der Cala s’Almonia, wie ein schlankes Schiff, das hinaus will aufs Meer. Der Turm in der Mitte, der Bug und das Heckteil sind ineinandergeschachtelt wie die alten Fischerhäuschen unten in der Bucht. Die Wohnküche sitzt ganz vorn, auf drei Seiten von Fenstertüren umgeben. Das Licht kann ungehindert herein, der Blick ungestört nach draußen: geradeaus, nach Süden zu, auf die See hinaus; rechts zur sinkenden Sonne, links zum Sonnenaufgang und zu jener Residenz hinüber, mit der das Bauen auf Mallorca für „Piedra de Santanyi“ begann. Die Fassade des neuen Heims (Umzug war im September 2002) ist natürlich aus gebrochenen Santanyi-Steinen gefügt. Hans- Peter und Maren ließen sie für sich aber nicht rechteckig geschlagen, sondern ganz unregelmäßig, wie es der Bruch jeweils nahelegt. Der Garten vor der Terrasse passt sich der Vegetation an. Die Stufen zur Außendusche und hoch zur Straße sind aus dem Felsen herausgehauen, auf dem das Haus steht. Von der Terrasse aus führt eine Außentreppe hoch zur Wohnküche im Oberstock. Leicht, mallorquinisch und zugleich modern das Interieur: Unter der typischen bovedilla-Decke zieht das Licht über einen Cassina-Sessel im klassischen LC2-Design von Le Corbusier hinweg, über eine Couch von Frigerio, einen Sitzsack „Sacco“. Der Balkon ist als steinerne porche gestaltet. Hinter der Wohnküche liegt das Schlafzimmer. Wenn unser Paar morgens aufwacht, ist es illuminiert von den Strahlen der aufgehenden Sonne. Über dem Bett eines der großflächigen, auf magische Art dekorativen Acrylbilder, die Maren malt. Oben eine Galerie mit den Schreib- und Zeichentischen der beiden – Arbeit und Liebe sind immer noch eins. Hinter dem Schlafzimmer: die Zimmer von Marie und Alice. Klimaanlage hat auch das neue Haus keine. Braucht es auch nicht, es ist entsprechend gebaut. „Piedra de Santanyi“ plant prinzipiell doppelschaliges Mauerwerk mit Styrodurschicht ein, das schützt gegen Hitze wie Kälte. Wassermangel ist notorisch auf der Insel. Hans-Peter begegnet dieser Not Mallorcas mit Hilfe der Natur. Er fängt alles Regenwasser auf (mit Dachrinnen und Ablaufrohren aus Ton), sammelt es in Zisternen, die unter der Terrasse in den Fels gehauen wurden, ein 40 000-Liter-Reservoir für Brauchwasser, ein zweites, ebenso großes, für Trinkwasser. Auch das neue, selbst gebaute Haus – kein Zweifel –, es liegt atemberaubend, aber es liegt an keinem „Hamburger Hügel“. Die Nachbarn sind Mallorquiner. Wenn bei Lorenzo das Mantanzafest gefeiert und das Schwein geschlachtet wird, dann sind die Deutschen von nebenan eingeladen und bekommen Sobrasada mit. Wenn sie Yerbas trinken, dann ist er von Nachbar Juan eigenhändig angesetzt. Hans-Peter: „Ich denke heute, wenn wir auf Mallorca bauen, dann müssen wir leben auf Mallorca, dann müssen wir wissen, wie eine Ensaimada, eine Sobrasada schmeckt. Wir fahren mit der llaut aufs Meer. Ich angel eine Dorade, einen Bonito, nehm’ den Fisch selber aus, und am Abend grillt ihn Maren für uns. Dazu ein Glas Wein von der Insel – Leben und Bauen, das muss eins sein.“ Mallorcas Fischzug scheint geglückt. Die Insel hat sich Menschen an Land gezogen, die Liebe erwidern können. Sie führt, das haben wir gesehen, ihre Lieblinge an Orte, die ihnen gut tun, und sie wählt sich ihre Lieblinge unter Menschen, die ihr gut tun.